Alte Dämonen (die ganze Geschichte) Der Teufel hat mir seine Seele verkauft

Alte Dämonen

1.

Schon seit zwei Tagen sitze ich hinter den eisernen Fensterläden meines Ateliers, das in der Stadtmauer des prächtigen, pittoresken Dörfchens in Südfrankreich versteckt ist. Und nachdem ich draussen etwas gehört habe, schalte ich den Ton meines Computers ab. Nervôs, wütend und paranoiak, wenn ich daran denke, was vielleicht passieren kann. Hunderte verschiedene Szenarios schiessen mir durch den Kopf, und sie enden alle nicht so, wie ich es gerne hätte. Glücklicherweisewar es nur mein nachbar, der ein paar Tûren weiter, nahe bei dem Stadttor, eine kleine Kunstschmiede hat. Ein tiefer Seufzer, un ich sehe und höre mir wieder auf meinem Computer all die Narrheiten an, die zur Zeit auf dieser Welt in Gang sind. Alle Nachrichtensender, Journalisten und Politikervermitteln ausschliesslich grosse Ängste. Wir verlieren jetzt sehr schnell alle unsere Freiheiten durch ein Virus, das ûber die gesamte Erde verbreitet ist. Das Virus heisst Korruption und wird, meiner Meinung nach mehr verwüsten, als unsere Gesundheit.

2.

Die Welt ist pleite, und wir werden von Politikern und der medizinischen Industrie belogen. Alles ist durchtränkt von Korruption und Lügen, nachdem, was ich in den Nachrichten der ganzen Welt wieder gesehen habe. Plötzlich höre ich ein Auto vor der Tür, und ich schalte den Ton wieder herunter. Mist, es ist der Biefträger, und ein Papier wird in meinen Briefkasten geschoben. Er klopft nicht, also kein Pâckchen ! Pfff… Zwei Tage lang sitze ich nun bereits versteckt hinter meinen eisernen Fensterläden und denke, was da auf mich zu kommen kann. Alte Dämonen, die mich wieder eingeholt und gefunden haben in meinem Atelier im schönen Süden von Frankreich. Schon zwei Tage lang habe ich das Gefûhl, dass sie jeden Moment hier einfallen können : Ein Invasionskomando in schwarzen Kampfanzügen, kugelsicheren Westen und Militärwaffen auf mich gerichtet, klâffende Drogenhunde und die gesamte Scheisse. Meine ganzen Gedanken sind Mist! Warum habe ich nur diese Scheissgedanken in meinem Schädel? Shit, das Telefon klingelt, und ich kenne die Nummer nicht.

3.

Sie werden schon auf den Anrufbeantworter sprechen, denke ich und reagiere nicht. Piep, piep. Eine SMS von der Sekretärin der Gemeinde, ob ich morgen früh um Neun Uhr zeit habe, um die Frau des Maklerbüros zu empfangen. Fluchend stehe ich auf und laufe im Kreis. Sie ist doch schon da gewesen, hat alles gesehen und vermessen, was wollen sie denn nun schon wieder. Noch mehr Stress und Paranoia-Gedanken. Ich versuche gut nachzudenken, was das schon wieder für ein Mist ist, denn schon seit zwei Tagen denke icch nicht mehr gut nach. Chaos in meinem Schädel. In meinem gebrochenen Französisch versuche ich die Sekretärin zu fragen, ob sie den Termin nicht auf Mittag legen kann, und ob sie mir sagen kann, warum sie nochmal kommt. Mein Telefon piept wieder, und sie versucht, mich zu überzeugen, dass es doch um neun Uhr sein muss, und dass es nur zwei Minuten dauern wird. Siehst du es jetzt, siehst du es, verdammt nochmal, dass du Recht hast, saust mir durch den Kopf.

4.

Sie antwortet nicht auf meine Frage, warum sie noch einmal vorbeikommen muss. Also versuche ich es eine halbe Stunde später noch einmal. Warum will die Frau vom Maklerbüro vorbei kommen?Wieder keine Antwort, und ich werde ungeduldig. Also frage ich leicht spöttig, ob sie als Model kommen will, und ob es nicht doch mittags sein kann. Und wieder keine Antwort! Jetzt beginne ich richtig nervös zu werden, und ich fühle mich in meiner Idee bestätigt, dass sie kommen, um mich festzunehmen. Der Tag ist fast zu Ende, und ich habe noch stets keine Bestätigung bekommen. Ich simse noch kurz: Morgen nicht! Montag! Einen schönen Tag noch! Komm mal kla, denke ich und verstecke mich wieder mal hinter meinen eisernen Fensterläden. Ich versinke wieder in meine düsteren Gedanken.

5.

Warum hat sie es abgeschickt? Sie weiss doch, dass ich registriert bin, inklusive der „Überraschung“, die sie mir bereitet haben. Sie weiss doch, dass es hier illegal ist! Und dass ich für ein bisschen Kraut zum Rauchen festgenommen worden bin, hier in La France! Jetzt weiss ich es sicher, sie kommen gleich, um mich festzunehmen. Es wird langsam Abend, und ich beginne, mich ein bisschen ruhiger zu fühlen nach ein paar Gläsern Whisky und einem ‚Smooky‘. Der Abend wird mir lang, aber endlich falle ich doch in Schlaf. Der Tag der Wahrheit bricht an, und meine Nerven stehen auf Sturm. Sie werden doch sicher nicht um neun Uhr vor meiner Tür stehen, denke ich, da sie doch nicht auf meine Frage per SMS geantwortet haben. Voll von Kaffee sitze ich in meinem, mit blauem Rauch gefüllten Atelierchen und warte noch immer auf meine Festnahme. Glücklicherweise ist niemand um neun Uhr vorbeigekommen, und der Tag ist langsam bis zum Mittag gekrochen.

6.

Meine Paranoia ist ein bisschen gesackt, und in meiner Arroganz denke ich, dass die französische Kultur es nicht zulässt, jemanden in der Mittagszeit festzunehmen. Rühr‘ verdammt nochmal nicht an der französischen Mittagszeit, die ist ihnen heilig! Ich wasche schnell meinen Hintern im Becken, um dann zum Supermarkt zu gehen und um mich danach schnell wieder hinter die Läden meines Ateliers zu setzen. Verdammt, verdammt, verdammt, wie kann sie so dumm sein, oder macht sie das extra? Aber dann ist sie selbst auch dran. Das ändert alles. Der Tag schleicht vorbei, und am Beginn des Abends kriege ichzu hören, dass mein Vertrag beim Energielieferanten beendet ist. Verdammte Scheisse, schreie ich. Als ich beim E-werk anrufe, wird mir bestätigt, dass jemand von der Gemeinde den Vertrag gekündigt hat. „Ohne, dass man mich darüber informiert hat?“ schreie ich. So ist das also, denke ich, da sind wir wieder. Ein verdächtiges Päckchen bei der Post.

7.

Befremdliche Dinge bei der Maklerin, die nicht sagen will, warum sie so dringend noch einmal vorbeikommen muss. Mein Stromvertrag von der Gemeinde gekündigt. Jetzt bin ich echt gelackmeiert, ja echt aufgeschmissen. Zuerst habe ich gedacht, dass es besser wäre, mich irgendwo zu verstecken, aber ich kann nirgend anders hin. Wenn du echt gesucht wirst, gibt es da einen Haftbefehl, und wenn du dann gefunden wirst, ist die Konfrontation das Schlimmste. Ich versuche, die Gemeinde zu erreichen, aber niemand weiss was, und niemand hat etwas getan. Meine Angst festgenommen zu werden verschwindet langsam und verwandelt sich in eine alte Wut, die ich eigentlich in diesem Moment nicht gebrauchen kann. Es ist doch nicht normal, dass da mal eben irgend jemand meinen Stromvertrag kündigen kann!

8.

Wir haben wirklich keine Rechte mehr, und die Welt verändert sich nicht langsam sondern rasend in eine globale Diktatur. Die Gemeinde reagiert nicht und lässt nichts mehr von sich hören, und ich bin es satt, denn bald sitze ich, nach der Arrestation ohne Strom, und es ist verdammt kalt in diesem Winter im schönen Süden Frankreichs. Das ganze verdammte Durcheinander ist mir jetzt egal, und ich bin es verdammt satt. Ich nehme meine Stromrechnung und ziehe meine Jacke an. Ich werde es jetzt regeln, bevor sie mich einladen. Ich öffne die Tür meines Ateliers, gehe an der Schmiede und dem Stadttor vorbei, biege links ab zup Haus des Bürgermeisters. Mit festem Schritt gehe ich die Strasse entlang, die schräg hinauf zum Haus des Bürgermeisters führt, das an der Ecke dieser Strasse liegt. Als ich um die Ecke biege, steht der Mann, den ich suche auf der obersten Stufe vor seiner Eingangstür und redet mit drei Männern, die ich nicht kenne. Ich nehme die Rechnung aus meiner Hosentasche, schwenke sie wild hin und her und

9.

schreie den Bürgermeister an, dass er schnellstens die Person anrufen muss, die meinen Vertrag gekündigt hat, und zwar sehr schnell, weilich es nicht normal finde, dass so etwas möglich ist. Wütend drehe ich mich um und gehe wieder weg, ohne dass der Bürgermeister oder sonstwer reagieren kann und weiss, dass ich es nun wirklich versaut habe. Noch kein Polizeiwagen vor der Tür, denke ich, als ich wieder auf meiner Strasse bin und zu meinem Atelier gehe. Keine zehn Minuten später klopft die Person, die in meinen Augen wahrscheinlich den Vertrag gekündigt hat, an meine Tür. Ich öffne und ‚maskiert‘ kommt der Mitarbeiter der gemeinde in mein Atelier, um die Abrechnung und den Stromzähler anzuschauen. Es bleibt eine eigenartige Erfahrung, jedermann mit einer Maske im Gesicht herumlaufen zu sehen. Der Mann, der sich vorgestellt hat, versucht noch nonchalant etwas Vages über die Rechnung zu sagen, und dass dies alles bizzar ist.

10.

Aber ich sage nur in meinem gebrochenen Französisch, dass es verdammt bizzar ist, dass er mal so eben meinen Vertrag kündigen kann. Verdammt! Erstaunt sieht er mich an. Ja, sage ich nochmal: In-fucking-croyablement bizzar, Monsieur. (Verdammt unglaublich, Monsieur) Er sagt, dass er es regeln wird. Ich danke ihm und wünsche ihm ein schönes Wochenende. Das Wochenende und die folgende Woche verlaufen sehr angespannt mit all den Paranoia-Gedanken und Ängsten. Die ganze Woche den scheiss Postboten, pardon, er kann ja nichts dafür, vermeiden. Und dann ist schon wieder Freitag. Gestern hatte ich eine Nachricht von der Sekretärin, dass ich meinen neuen Mietvertrag unterzeichnen kann. Ich frage sie, ob das Freitag am am Spatnachmittag sein kann, immer noch überzeugt, dass sie mir alle noch was wollen. Also heute Nachmittag werde ich meinen neuen Mietvertrag unterzeichnen.

11.

Ich habe versucht mich von allen Seiten über meine Rechte als Mieter zu informieren. Jetzt weiss ich aufs Beste Bescheid und habe so viele Formfehler entdeckt, dass sie mich nicht hinausschmeissen können. Jetzt komm, ich weiss Bescheid, und ich lasse mich nicht nochmal auf den Arm nehmen. Cool und voll Paranoia gehe ich zu dem kleinen Gemeindehaus. Ich habe auch eine Flasche Cognac für den Bürgermeister bei mir, nachdem ich per SMS bei ihm entschuldigt habe. Die Sekretârin empfängt mich freundlich. Ich versuche noch einmal, mich zu entschuldigen und gebe ihr den Cognac für ihren Chef. „Und ich“, fragt sie. Wir lachen, und ich verspreche ihr etwas anderes als eine Flasche Cognac. Sie legt mir die Papiere vor, und ich sehe, dass der Vertrag in Ordnung ist, was die Zeit und den Preis betrifft. Ich danke ihr und mache mich auf den Weg zurück zu meinem Atelier. Still laufe ich nach oben durch die schmalen Gassen, an der Kirche vorbei, über den Platz mit dem Springbrunnen und den vier uralten Platanen.

12.

Ich bleibe einen Augenblick stehen, schaue mich um und atme tief durch. Via der Treppe, die neben der Terrasse nach unten führt, laufe ich an dem Häuschen vorbei, das ich gerade renoviere und das, wie mein Atelier Teil der Stadtmauer ist. Still gehe ich die paar Schritte weiter. Drinnen setze ich mich hin, fühle mich ausgelaugt. Pfff. Gebeugt, meinen Kopf in den Händen, sitze ich in meinem bequemen Sessel und denke… Junge, Junge, was bist Du doch für ein echter Idiot! Was für ein unglaubliches Arschloch.

All das für nichts. All das wegen der alten Dämonen.

Winter 2021 in einem pittoresken Dörfchen im Süden Frankreichs.

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